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02.10.2013 17:57 Alter: 4 yrs
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Bericht von der Tafel-Fachtagung


„Auf die nächsten 20 Jahre...“ - Die Tafeln feiern ihre Alternativlosigkeit

Anlässlich der zwanzigjährigen Existenz der Tafeln veranstaltete der Bundesverband neben einer gemeinsamen Feier mit Ehrenamtlichen und Sponsoren erstmals auch eine zweitägige Fachtagung zum Thema „Armutsbekämpfung und Lebensmittelverschwendung“. Dabei blieben Tafelbetreiber, Politiker und Sponsoren unter sich. Mitglieder des „Kritischen Aktionsbündnis 20 Jahre Tafeln“ wurden nicht eingeladen. Damit blieb die Veranstaltung eindimensional und wies in eine zweifelhafte Zukunft.

Berlin am 26./27. September 2013 – in der Ländervertretung Baden-Württembergs fanden sich Vertreter des „Bundesverbands Deutsche Tafel e.V.“, des Einzelhandels und der Lebensmittelindustrie, Vertreter der Wohlfahrtsverbände und der Politik sowie Sponsoren zusammen, um das Thema „Armutsbekämpfung“ und „Lebensmittelverschwendung“ zu diskutieren. Im Wesentlichen wurden altbekannte Stereotypen vom „Erfolg der Tafeln“ reproduziert und mit teils widersprüchlichen Argumenten untermauert. Tafelnutzer und Kritiker der Tafelbewegung waren nicht geladen, die Veranstaltung wurde nur intern beworben. Wir, Vetreter des „Kritischen Aktionsbündnis 20 Jahre Tafeln“, haben uns dennoch vor Ort ein eigenes Bild gemacht und berichten von unseren Eindrücken.

„Tafeln geben Nutzern ein Stück Würde zurück“

Nach einleitenden Worten des neu gewählten Vorsitzenden des Bundesverbandes, Jochen Brühl, sprach anstelle der angekündigten Schirmherrin der Tafeln (Dr. Kristina Schröder) der Staatssekretär des BMFSFJ Lutz Stroppe. Er befand, dass es Deutschland gut gehe und die Arbeitslosenzahlen kaum besser sein könnten. Dennoch seien 16 Prozent der Bevölkerung von Armut bedroht. Zwar könne er persönlich nicht nachvollziehen, wie es den Menschen ginge, die bei den Tafeln anstehen, aber er sei froh, dass die Helfer der Tafeln diesem Personenkreis ein Stück ihrer Würde zurück geben würden. Ohne die Tafeln und die Millionen von Ehrenamtlichen, die sich in vielen Zusammenhängen engagieren, „sähe die Bundesrepublik ganz anders aus“.

Nach dem Applaus für die lobenden Worte des Staatsdieners mutete es etwas merkwürdig an, dass Jochen Brühl im Anschluss erklärte, dass die Tafeln provozieren und politisches Handeln durch ihre bloße Existenz herausfordern würden. Im Gegensatz zu den „Idealisten und Zynikern“ – gemeint waren damit offensichtlich tafelkritische Verbände, Wissenschaftler und sich öffentlich zu Wort meldende Armutsbetroffene – seien die bei Tafeln Engagierten „Realisten“, da sie praktisch helfen und gleichzeitig den Staat in die Pflicht nehmen würden. Wie sich diese politische Provokation mit den Schirmherrschaften von Politikern, dem massenhaften Einsatz von 1€-Jobbern, der nur in Einzelfällen verweigerten Kooperation mit den Jobcentern sowie der finanziellen Unterstützung durch viele Kommunen vereinbaren lässt, erklärte er nicht. Auch Nachfragen aus dem Publikum waren leider nicht zugelassen.

 „Wir sind eine Bewegung, denn wir bewegen uns“

Die Gründerin der ersten Tafel in Deutschland, Sabine Werth, stellte im Anschluss fest, die Tafeln hätten viel erreicht, denn es gäbe inzwischen auch mal „leere Regale“ in den Supermärkten. Auf die von wissenschaftlicher Seite geäußerte Kritik an der Selbstbezeichnung der Tafeln als „soziale Bewegung“ (Anm.: eine soziale Bewegung setzt sich für strukturelle gesellschaftliche Veränderungen ein, ist also nicht nur wohltätig, vgl. dazu aktuell: Selke, Stefan: Umarmter Protest. Tafeln zwischen Charityformat und Bewegungsanspruch. In: Forschungsjournal Soziale Bewegungen. Analysen zu Demokratie und Zivilgesellschaft, Heft 2, 152-156) erklärt sie wörtlich: „Natürlich sind wir eine Bewegung, denn wir bewegen uns“.

Eine der Forderungen des „Kritischen Aktionsbündnis 20 Jahre Tafeln“ lautet: Die Tafeln sollten zu ihrer eigentlichen Aufgabe zurück kehren und nur Überschüsse an jene verteilen, die aus dem sozialen Netz gefallen sind, statt die Überschüsse durch Spenden und Sammelaktionen zu ergänzen, um auf das immer löchriger werdende soziale Netz mit immer größerem Angebot reagieren zu können. Diese Forderung wies Sabine Werth zurück. Abschließend folgerte fasste sie ihre Überlegungen dahingehend zusammen, dass die Kritiker der Tafeln akzeptieren müssten, dass die Tafeln sich entwickeln und sich neue Betätigungsfelder und Aufgaben suchen würden.

Der Input von Dr. Thomas Beyer (AWO) machte deutlich, dass auch anders argumentiert werden kann. Beyer wies darauf hin, dass Armut das Ergebnis einer ungerechten Einkommens- und Vermögensverteilung sei und der Verschuldung des Staates ein enormer privater Reichtum entgegen stehe. Er betonte, dass ein Ausgleich und Solidarität von Nöten sei. Die Sicherung eines menschenwürdigen Existenzminimums stehe im Vordergrund, sonst seien immer mehr Menschen auf freiwillige Gaben angewiesen. Im Gegensatz zur komplett anders lautenden Äußerung des Staatssekretärs wies Beyer darauf hin, dass Tafelnutzer keineswegs Kunden, sondern Bittsteller seien und das Thema Scham und Würde ernst genommen werden müsse. Tafeln und Wohlfahrtsverbände müssten nicht nur die Folgen der Armut lindern, sondern auch deren Ursachen bekämpfen, so Beyer zusammenfassend.

„Alle guten Wünsche für die nächsten 20 Jahre“

Nach der Pause meinte Prof. Dr. Rolf Rosenbrock, der Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, die Tafeln vor „inhaltlich falscher und ungerechtfertigter Kritik“ in Schutz nehmen zu müssen und bezeichnete die – inzwischen nicht gerade selten geäußerte - Kritik am Tafelsystem als „abstoßenden Zynismus“. In seinem Loblied bezeichnete er die Tafeln als eine„hoch geschätzte und äußerst wichtige Mitgliedsorganisation“ und einen „wichtigen Akteur unter den Sozialverbänden“. Nach einem Plädoyer für mehr Vernetzung der Tafeln mit Beratungsangeboten beendete er seine Rede mit den Worten: „Alle guten Wünsche für die nächsten 20 Jahre“.

Oberkirchenrat Johannes Stockmeyer, Präsident des Diakonischen Werks Deutschland, irritierte mit inhaltlichen Widersprüchen. Die Tafeln sind für Stockmeyer einerseits eine Art ‚Schaufenster in die Armut’, durch das sich Politiker und freiwillig Engagierte von der Lebenswirklichkeit Armutsbetroffener einen Eindruck verschaffen können. Andererseits seien sie beispielhaft für den Kampf gegen Lebensmittelverschwendung und für zivilgesellschaftliches Engagement. Auf Nachfrage kritisierte er den Zukauf von Lebensmitteln, da so „ein eigenes Versorgungssystem für Arme etabliert“ werde, Arme ihre „eigene Einkaufswelt haben“ und „Inklusion nicht mehr funktioniere“. Gleichzeitig mache ihm aber die „mangelnde Flächendeckung“ der Tafeln Sorgen, für das große „Stadt-Land-Gefälle“ müssten Lösungen gefunden werden, zudem sollten die Tafeln intern für eine gerechtere Verteilung der Lebensmittel sorgen, um Versorgungsdifferenzen auszugleichen. 

Clemens Graf von Waldburg-Zeil, Vorsitzender des Vorstands des Deutschen Roten Kreuzes, wünschte den Tafeln zunächst in Anlehnung an das 150jährige Bestehen seiner Organisation sogar noch weitere 130 Jahre! Nach einer Ausführung über Ursachen, Erscheinungsformen und Folgen von Armut wies Waldburg-Zeil darauf hin, dass sich Politik und Gesellschaft anscheinend an die Armut „gewöhnt“ hätten, anstatt etwas dagegen zu tun. Eine „fremdbestimmte Zuweisung von Gütern“ sei für das DRK nicht menschenwürdig, daher dürften in den DRK-Kleiderläden alle Menschen ohne Bedürftigkeitsprüfung einkaufen und selber auswählen. Zudem befänden sich die DRK-Läden an zentralen Orten, um Armutsbetroffene nicht noch zusätzlich räumlich auszugrenzen. Das wäre ein guter Einstieg in eine kritische Reflexion über die Randbedingungen der guten Tat gewesen. Zur gegensätzlichen Verfahrensweise der Tafeln äußerte er sich jedoch nicht.

„Die Helfer wollen keine gesellschaftliche Veränderung“

Nach fast drei Stunden weitgehend einhelligen Lobs der Tafeln äußerte Theresia Wunderlich von der Caritas dann doch noch Kritik. Sie monierte die Einseitigkeit der bisherigen Vorträge und weigerte sich, die Tafeln zu beglückwünschen, schließlich seien 20 Jahre Tafeln „keine Erfolgsgeschichte, sondern ein Armutszeugnis“. Dass Ehrenamtliche bei den Tafeln so zufrieden sind, sei auch problematisch, denn diese empfinden den direkten Kontakt bei der wohltätigen Hilfe zwar als sehr befriedigend, wollten aber „keine gesellschaftliche Veränderung“ herbeiführen. Diesen politischen Impuls hätte die Caritas gerne stärker ausgeprägt. Auch das eigene Engagement regelmäßig zu überdenken sei sinnvoll, um der Verfestigungsgefahr entgegen zu wirken. Auch hätte man die Nutzerperspektive bislang kaum einbezogen,  so Wunderlich: die „Erziehung zur Dankbarkeit“ sei ebenso problematisch wie die mangelnde Inklusion. Statt einer Vermischung aller Schichten, blieben die Nutzer weitgehend unter sich. Die bisherige Darstellung der Tafeln als Begegnungsstätte aller Milieus könnte sich „bei näherer Betrachtung als Ideologie herausstellen“. Schließlich schlug Wunderlich vor, um Beschämungseffekte zu verringern, die Hilfe verstärkt dort hinzubringen, wo die Nutzer ohnehin anzutreffen sind und von Bedürftigkeitsprüfungen abzusehen. Das Publikum reagierte auf diesen Vorschlag mit einem empörten Raunen.

„Ehrenamtliche aktivieren, nicht überfrachten“

In der abschließenden Diskussionsrunde saßen nur noch Jochen Brühl (Bundeverband Deutsche Tafel e.V.), Sabine Werth (Berliner Tafel e.V.) und Heinz Knoche (DRK) auf dem Podium. Eine kontroverse Debatte wurde nicht geführt. Stattdessen wurden die von Frau Wunderlich geäußerte Kritik zurückgewiesen. Die Sozialverbände wurden aufgefordert, mit ihren Hauptamtlichen politisch aktiv zu werden. Man könne die Ehrenamtlichen nicht „überfrachten“ und die Tafeln nicht an den „höheren Idealen“ der Verbände, sondern nur an den eigenen Grundsätzen messen. Diese würden, so Sabine Werth, z.B. den Zukauf von Lebensmitteln nicht erlauben, daher wäre dies schlicht nicht möglich. Dass Sammelaktionen bei Kunden von Supermärkten schon lange allgemein üblich sind, scheint für sie kein Widerspruch zu sein.

Bei der Frage nach politischen Forderungen machte sich Brühl für gut entlohnte „Arbeit für alle, die arbeiten möchten“ und Sabine Werth für ein „menschenwürdiges Grundeinkommen“ stark. Beim Thema Bildung könne sich die Politik stärker einmischen, denn es könne nicht sein, dass „immer nur bürgerschaftliches Engagement die Gesellschaft in die richtigen Bahnen lenkt“. Trotz dieses Statements ging man dann doch wieder dazu über, gerade die Tafeln als Begegnungsstätte von „reich und arm“ (Brühl) und gar als „Schmelztiegel für alle Interessen der Freizeitgestaltung“ (Werth) zu zelebrieren. Nachdem Knoche vom DRK einwarf, dass doch vor allem der rechtliche Rahmen und die sozialpolitischen Grundlagen von Bedeutung seien, betonte Brühl, dass Visionen zwar wichtig seien, aber man zwischenzeitlich nicht das Handeln vergessen dürfe. Auch wenn manche ihnen das absprechen würden, wollten die Tafeln „die Gesellschaft verändern“.

„1/3 der Spenden landet direkt im Müll“

Auch beim Thema Lebensmittelverschwendung am zweiten Tagungstag bekam mit Renate Künast zunächst wieder eine Politikerin die Gelegenheit, die Tafeln in ihrer Funktion als „Lebensmittelretter“, als Orte des „sozialen Austauschs“ sowie als „eine der größten sozialen Bewegungen unserer Zeit“ zu loben. Auch als Bildungsstätten in Sachen gesunder Ernährung hielt sie die Tafeln für geeignet. Zumindest stellte sie fest, dass die Regelsätze „für sozio-kulturelle Teilhabe nicht ausreichen“ und das Ehrenamt alleine nicht die Lösung darstelle. Als ehemalige Verbraucherschutzministerin verwundert es doch sehr, dass ihre einzige Anmerkung in Richtung der anwesenden Handel- und Ernährungsindustrieprominenz jene war, doch auch mal krummes Gemüse in die Regale zu stellen.

Interessant waren die Ausführungen des Cheflogistikers der Tafeln, Gerhard Hampel, der berichtete, wie ihn zu anfangs „nicht die Bedürftigen, sondern die riesigen Mengen Lebensmittel“ motiviert hätten und wie dankbar die Produzenten seien, dass die Tafeln deren Überproduktion abnehmen würden. Sabine Werth wies darauf hin, dass ein Drittel der Spenden in Berlin direkt in den Müll wandern würden.

Raphael Fellmer (Foodsharing e.V.) erläuterte, wie er und seine Familie ganz ohne Geld und nur von weggeworfenen Lebensmitteln lebe und welch katastrophale ökologische Auswirkungen die Verschwendung von Lebensmitteln und auch der hohe Fleischkonsum hätten. Die Tafeln würden hier tolle Arbeit leisten, um diese Verschwendung einzudämmen. Er selber nutzt die Tafeln allerdings nicht, sondern hat zunächst containert und holt nun die Waren direkt beim örtlichen Biosupermarkt ab. Ausgerechnet ein Umweltaktivist, der das Leben in Armut selbst erwählt hat und freiwillig von Überschüssen erlebt, wurde als einziger Armutsbetroffener zu dieser zweitägigen Veranstaltung eingeladen.

„Weniger Wegwerfen bedeutet zu hohen Umsatzverlust für den Handel“

Auf der abschließenden Podiumsdiskussion waren die Vertreter des HDE, der METRO, der Tafeln, des Bundesverbands der Ernährungsindustrie sowie der Branchen-Zeitschrift „Lebensmittelpraxis“ sich schließlich weitgehend einig, dass die Verschwendung auf allen Ebenen zu bekämpfen sei und im Grunde kein Beteiligter ein Interesse daran habe, etwas wegzuwerfen. Hauptursache der Verschwendung sei aber das Interesse des Verbrauchers, ein breites Angebot und bis Ladenschluss volle Regale vorzufinden. Klare Worte kamen von Reiner Mihr von der Zeitschrift „Lebensmittelpraxis“, der erklärte, dass ein Ende der Verschwendung seitens der Verbraucher für den Handel „untragbare Umsatzverluste“ mit sich bringen würde. Und Christoph Minhoff vom Verband der Ernährungsmittelindustrie stellte klar: „Unternehmen wollen letztlich Geld verdienen.“

Solange es also billiger ist, Lebensmittel wegzuwerfen, anstatt weniger zu produzieren, wird also alles so bleiben wie es ist. Leider war zu diesem Zeitpunkt kein Vertreter einer Verbraucherorganisation wie etwa Foodwatch auf dem Podium, der kritischer hätte nachfragen können, als es die Moderatorin vermochte. Merkwürdig klang auch die Aussage, dass der Verbraucher am meisten wegwerfe, während der einzig anwesende Wissenschaftler Prof. Dr. Guido Ritter vom „Institut für nachhaltige Ernährung und Ernährungswirtschaft“ gleichzeitig anmerkte, dass es keine verlässlichen Zahlen zur Abfallproduktion von Handel und Industrie gäbe. Wie viel wird also wirklich weggeworfen? Wie viel sammeln die Tafeln davon ein und welche Kosten werden so auf die privaten Spender abgewälzt? Das alles wären wichtige Fragen, die leider nicht beantwortet wurden, weil sie erst gar nicht gestellt wurden.

Nachdem Jochen Brühl betonte, dass die Gespräche mit den Sponsoren „klientelbezogen“ und „kritisch“ geführt werden und der Vertreter der METRO Group noch darum bittet, die Medien sollten auch mal etwas Positives berichten, gehen wir zum von Sodexo gesponserten Mittagessen und trinken dazu ein von Coca Cola gesponsertes Getränk.

Fazit

Auch wenn die direkte Auseinandersetzung mit der Kritik und den Forderungen des „Kritischen Aktionsbündnis 20 Jahre Tafeln“ gemieden wurde, erfolgte dennoch in fast allen Reden und Statements ein Bezug auf Tafelkritik. Noch vor einigen Jahren wurde Kritik nur in homöopathischen Dosen geäußert. Inzwischen ist es gelungen, zumindest innerhalb des Caritasverbands und auch in Teilen der Diakonie eine Kontroverse in Gang zu bringen. Nicht vergessen sollte man an dieser Stelle die vielen kritischen Tafelnutzer, deren Stimme nach wie vor nicht ausreichend gehört wird.

Wenn nun bei einer solchen Jubiläumsveranstaltung auf diese Kritik Bezug genommen wird, ist das erfreulich. Aufpassen sollte man allerdings, dass die Tafeln und die Verbände die Kritik in Zukunft nicht lediglich als Feigenblatt nutzen und trotzdem „business as usual“ machen.

Die Veranstaltung hat eindringlich vor Augen geführt, dass die rhetorischen Absichtsbekundungen darüber, sich als Tafeln überflüssig zu machen, zu einem peinlichen Stereotyp verkommen sind, dass sich in den letzten 20 Jahren selbst ad absurdum geführt hat. Gerd Häuser, der letzte Vorsitzende des Bundesverbandes, nannte die Tafeln eine „lernende Bewegung“. Dieser Lernwille wurde bei der Jubiläumsfeier nicht offensichtlich. Zudem scheuen die Tafeln nach wie vor eine öffentliche Kontroverse. Zwar bekennen sie sich rhetorisch zu ihrer „politischen Verantwortung“ (Brühl), verbleiben aber in ihrer Rolle als Wohltäter, der die bestehenden Verhältnisse stabilisiert und eben keineswegs – wie es soziale Bewegungen eben eigentlich tun - auch verändert. Das sollte auf keinen Fall die nächsten 20 Jahre so weitergehen.