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05.12.2012 14:06 Alter: 6 yrs
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Menschen retten, nicht Lebensmittel!

Stellungnahme zur Pressemitteilung des Verbraucherministeriums "Wir retten Lebensmittel!"


Das Verbraucherministerium hat laut einer Pressemitteilung gemeinsam mit „Slow Food Deutschland e.V.“ und dem „Bundesverband Deutsche Tafel e.V.“ bundesweite Aktionstage gegen Lebensmittelverschwendung ins Leben gerufen. Knapp elf Millionen Tonnen Lebensmittel landen laut einer vom BMELV geförderten Studie jährlich in Deutschland im Müll, daher wird nun das „Bewusstsein für die Wertschätzung von Lebensmitteln“ geschärft und zu einem „bundesweiten Bündnis gegen Lebensmittelverschwendung“ aufgerufen.  Neben der öffentlichen Verköstigung von Bürgern mit „leckeren Reste-Gerichten“ hat das BMEV einen Ratgeber zu den „rechtlichen Aspekten der Weitergabe von Lebensmitteln an soziale Einrichtungen“ produziert, damit die „Weitergabe von Lebensmittelspenden an Tafeln und ähnliche Organisationen einfacher gemacht“ wird.

Lebensmittelverschwendung ist ohne Frage aus ökologischen und moralischen Gründen unbedingt zu vermeiden. Es ist allerdings zynisch, wenn die Bundesregierung einerseits den Armutsbericht schönt, indem sie kritische Passagen zur immer ungleicheren Einkommens- und Vermögensverteilung streicht und andererseits für die „Rettung von Lebensmitteln“ durch die Tafeln wirbt. Während die Tigerbananen und abgelaufenen Joghurts unbedingt gerettet werden müssen, werden die vielen Armen hierzulande weiterhin systematisch vernachlässigt. Anstatt die Menschen zu „retten“, sie vor Armut, sozialer Ausgrenzung und demütigendem Schlangestehen bei den Tafeln durch eine die Menschenwürde wahrende Sozialpolitik zu bewahren, schwingt sich die Regierung zum Retter der Tigerbananen auf. Wir finden: es wird Zeit für die Rettung der sozialen Bürgerrechte, für politisches Handeln statt symbolischem Aktionismus, für eine Bekämpfung der Armut statt deren bloßer Linderung.